Von Markdown nach docx und zurück

iAWriter 1.5.1 für Max OS X unterstützt den Export von Markdown in das docx-Format von Microsoft Word 2007 und den Import von docx-Dateien.

Die Ergebnisse erster Versuche sehen ganz vielversprechend aus. Natürlich sollten die Erwartungen auf das reduziert sein, was Markdown zu leisten vermag. Überschriften, Fettdruck, Italics und Aufzählungen werden unterstützt. Tabellen werden beim Import in reinen Text ‚aufgelöst‘. Auch verschiedene Fonts und Farben sind natürlich verloren.

Trotz dieser Einschränkungen ist dieses Feature durchaus hilfreich. Es ist einfach, aus einem Markdown-Text eine initiale Word-Datei zu erzeugen, die dann manuell weiter aufbereitet wird. Der Mehrwert gegenüber reinem kopieren des Textes liegt schon allein darin, dass die Struktur erhalten bleibt und die Auszeichnungen nicht entfernt werden müssen.

Auch die Übernahme eines bestehenden Dokuments kann helfen. Damit lässt sich ohne viel Aufwand ein Text aus Word übernehmen, der dann eben in Markdown weiter bearbeitet werden kann. Hier bleibt ebenfalls die Struktur erhalten. Auch Inhaltsverzeichnis und Referenzen werden übernommen, sind allerdings nicht ‚aktiv‘.

Speziell beim Import ist natürlich eine gründliche Prüfung des Textes sinnvoll.

Angenehm schreiben mit iAWriter

iA Writer ist ein schönes, minimalistisches Schreibprogramm für den Mac. Während des Schreibens ist ausschließlich der Text auf dem Bildschirm zu sehen. Menüs und Textstatistiken werden ausgeblendet solange geschrieben wird. Erst nach einer kurzen Schreibpause tauchen am unteren Bildschirmrand diskret Informationen zum Text sowie ein kleines Icon zum Ein- oder Ausschalten des sogenannten Focus auf.

Bild 1 - Statuszeile

Fokusiertes Schreiben

Dieser Focus hält die Eingabe neuen Textes immer in der vertikalen Mitte des Bildschirms. Bei anderen Editoren wird dies oft Schreibmaschinen Modus genannt, weil sich, wie bei einer mechanischen Schreibmaschine, das Papier nach oben schiebt, die Schreibposition dabei aber immer gleich bleibt. Außer diesem Verhalten wird auch der gerade aktuelle Satz hervorgehoben; der andere Text wird optisch dezent zurückgenommen. Beides zusammen macht das Schreiben sehr angenehm. Wie der Name Focus verspricht, wird ein konzentriertes Arbeiten erleichtert.

Markdown

Neben reinem Text unterstützt Writer das Arbeiten mit Markdown sehr schön. Formatanweisungen werden dynamisch in Hervorhebungen umgesetzt. Nach getaner Arbeit kann der Text als HTML- oder RTF-Dokument exportiert werden. Mehr zu Markdown ist in Formatieren von Texten mit Markdown zu finden.

Mit dem Löwen brüllen

Wie bei allen modernen Anwendungen für den Mac werden Fullscreen Mode, automatisches Sichern und das Sichern von Versionen unterstützt.

Auch einen Menüpunkt Sichern unter … bzw. Save as… sucht man vergebens. Dafür gibt es seit Lion die Funktion Duplicate. Damit wird das Dokument in einem neuen Editorfenster geöffnet und kann dann unter anderem Namen abgespeichert werden.

Writer ist außer für den Mac auch für das iPad verfügbar. Die Integration mit iCloud macht den Austausch von Dokumenten einfach und transparent. Sehr schön gelöst! Markdown wird auf dem iPad allerdings leider nicht so schön unterstützt. Schade ist vor allem, dass in der erweiterten virtuellen Tastatur die *- und #-Tasten fehlen, die bei Markdown oft benötigt werden.

Ein schönes Feature ist unter dem Menüpunkt File / Revert Document … zu finden. Damit lassen sich ältere Versionen des aktuellen Dokuments durchsehen und auch wieder herstellen. Wer Time Machine kennt, wird sich sofort zuhause fühlen.

In der aktuellen Version wurde rudimentäre AppleScript-Unterstützung ergänzt.

Fazit

Writer ist ein schönes und nützliches Werkzeug mit einigen durchdachten und gut umgesetzten Features. Für das Schreiben mit Markdown ziehe ich derzeit Byword wegen der besseren Exportmöglichkeiten vor.
Das vielleicht bemerkenswerteste seit Version 1.2 ist die gelungene iCloud-Anbindung. So wünsche ich mir das.
Wer gerne in einer schönen ruhigen Umgebung schreibt, sollte Writer einfach einmal ausprobieren!

Formatieren von Texten mit Markdown

Viele Editoren für Distraction-free Writing erzeugen reine Textdateien. Will man strukturierte Texte mit Überschriften und Aufzählungen erzeugen, oder einzelne Worte bzw. Sequenzen hervorheben, stößt das Textformat in seiner reinen Form an seine Grenzen.

Um diesem Problem zu Leibe zu rücken gibt es – neben Textverarbeitungen – eine Reihe von Notationen, sogenannte Markup-Sprachen. Bekannte Beispiele sind HTML und (La)TeX. Beide erfordern allerdings vom Autor einiges an zusätzlichem Aufwand und Know How. Dies ist nicht nur aufwendig, es bläht auch die Texte auf und macht sie vor allen Dingen in der Textform schwer lesbar.

Markdown

John Gruber hat sich mit Erfolg an einem minimalistischen Ansatz versucht. Seine Notation, Markdown, sollte einfach zu erlernen und schnell zu schreiben sein und darüberhinaus die Lesbarkeit des Textes nicht beeinträchtigen. Er ging von den in emails gängigen Hilfsmitteln aus; so wird zum Beispiel ein Wort durch einrahmen in * hervorgehoben.
Diese Notation lässt sich während des Schreibens ohne großen Aufwand nutzen. Vor allem können die Hände dabei auf der Tastatur bleiben.
Natürlich bedarf es jetzt noch eines Programms, das diese Notation in die gewünschte Darstellung umsetzt. Solche Programme erlauben die Ausgabe in geeigneten Dateiformaten wie rtf, pdf, oder HTML.
Heute gibt es bereits eine Reihe von Applikationen, die Markdown unterstützen. Einige davon setzen die Darstellung direkt bei der Eingabe bereits um. So lässt sich die Wirkung bereits beim Schreiben beurteilen. Ein Beispiel für solch einen Editor ist Byword.

Notation

Mit einem * wird es kursiv dargestellt, bei Verwendung von zwei * fett.

Aufzählungen lassen sich entweder numeriert, oder einfach als Punktelisten darstellen. Will man eine numerierte Liste, stellt man jedem Punkt eine Zahl mit einem Punkt voran.

1. erster Punkt
2. zweiter Punkt

die vorangestellten Zahlen müssen nicht fortlaufend sein. Markdown ersetzt sie automatisch durch fortlaufende Zahlen.
Der folgende Text führt also zum gleichen Ergebnis:

3. erster Punkt
1. zweiter Punkt

Punktlisten werden mit vorangestelltem * oder – erzeugt.

* erster Punkt
* zweiter Punkt

bzw.

– erster Punkt
– zweiter Punkt

Überschriften werden durch # markiert. Die Anzahl der # gibt die Verschachtelungstiefe des Kapitels an.

# Kapitel 1
## Unterkapitel 1
## Unterkapitel 2
### Noch eine Ebene tiefer
# Kapitel 2

Eine detaillierte Beschreibung der Notation ist auf John Grubers Website DaringFireball  zu finden.

Inzwischen gibt es weitere Varianten von Markdown. MultiMarkdown  von Fletcher T. Penney erweitert die Notation erheblich. Unter anderem ermöglicht sie die Erzeugung von Tabellen und das Einbinden von Bildern.

Werkzeuge

Es gibt eine Reihe von Anwendungen für den Mac, die Markdown sehr gut unterstützen. Byword und iAWriter sind nur zwei davon. In weiteren Artikeln werde ich auf einige davon näher eingehen.

Fazit

Anzumerken ist, dass man sich mit Markdown vom Ideal des Distraction-free Writing entfernt. Dieses trennt ja ganz bewusst Texterzeugung und Formatierung. Andererseits ist man auch weit weg von schwergewichtigen Textverarbeitungen und hat dennoch gute Möglichkeiten seinen Text zu strukturieren, ohne die Hände von der Tastatur zu nehmen.
Wie immer sollte man hier pragmatisch entscheiden, was einem wichtig ist.

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