Drei Jahre denkenswert

Jetzt steht bereits der dritte Geburtstag dieses Blogs vor der Tür. Das Thema ist immer noch interessant und auch das Schreiben macht Spaß. Leider gab es einzelne Phasen, in denen es etwas zu kurz kam. Andere Aspekte des Lebens verlangen eben auch ihren Tribut; dann können schon die zwei, drei Stunden für einen Artikel zu viel sein. Insofern bin ich ganz zufrieden.

Die Themen haben sich über die Jahre etwas geändert, vielleicht eher erweitert. Das wird wohl auch in Zukunft so sein. Es gibt einfach eine Menge interessanter Dinge auf der Welt.

In diesem Sinne: Auf ein weiteres Jahr 🙂

 

Politische Unkultur – Totengräber der Demokratie

In den letzten Wochen gab es viel Aufregung über die sogenannte NSA-Affäre. Aufregung um gespeicherte Daten und abgehörte Gespräche.

Alles nicht wirklich eine Überraschung: ein Geheimdienst hat abgehört, Daten gespeichert und ausgewertet.

Eigentlich völlig normal.  Aber offensichtlich lief da einiges richtig aus dem Ruder.  Jeden Tag kommen neue ‚Schweinereien‘ an den Tag. Ob das zu Konsequenzen führen wird?

Das eigentlich interessante an dieser ganzen Geschichte ist aber etwas ganz anderes: Es ist erschreckend, wie schnell und gründlich sich einige unserer westlichen Demokratien selbst die Larve vom Gesicht gerissen haben.

Die völlig überzogenen, ja fast panisch wirkenden Reaktionen im Umgang mit Snowden, Guardian, Miranda, aber auch Manning lassen einen frösteln. Staaten, die vorgeben Demokratie in die Welt zu  tragen – bezeichnenderweise immer mit Waffengewalt und blanker Willkür, legen nun nicht einmal mehr Wert darauf, ‚gut‘ auszusehen.

Haben da nur ein paar Politiker die Nerven verloren? Oder die Geduld? Hat sich bei ein paar Beamten der Maßstab verschoben?

Das wäre zu entschuldigen. Aber es ist nicht plausibel. Dafür ist der Maßstab viel zu groß. Es handelt sich um ein systematisches Einschränken der Bürgerrechte, ja selbst der Menschenrechte. Alles unter dem Deckmantel des ‚Kriegs gegen den Terror‘; einem klassischen Totschlag-Argument, mit dem sich alles begründen lässt. Jeder, der sich dagegen ausspricht, kann sofort als Terroristenhelfer abgestempelt werden. Diese Methoden sind einer Demokratie nicht würdig!

Die Vorbereitungen durch den ‚Krieg gegen den Terror‘ tragen jetzt erste Früchte: Gesetze werden offensiv und scheinbar willkürlich ausgelegt, um  Druck auszuüben. Zu sehen beim Verhör Mirandas in London.

Warum muss ein Journalist unter Polizeischutz gestellt werden, wenn er unangenehme Wahrheiten – das bestreitet ja nicht einmal jemand! – äußert?

Warum kann jemand neun Stunden ohne richterliche Anordnung und ohne Rechtsbeistand festgehalten werden?

Warum kann eine Regierung massiven Druck auf eine Zeitungsredaktion ausüben, die unangenehme Dinge berichtet? Druck, der offensichtlich nur als Machtdemonstration und Drohung dient.

Warum werden Menschen und Firmen mit offenbar existenzbedrohenden Drohungen überzogen, wobei sie nicht einmal riskieren können auch nur darüber zu reden, wer ihnen was androht?

Warum muss jemand seine Unschuld beweisen, wie es zum Beispiel vom Assad-Regime gefordert wurde ? Sieht unser Wertemodell nicht die Unschuldsvermutung vor? War es nicht so, dass die Schuld bewiesen werden musste?

Diese Methoden kennen wir ja durchaus. Allerdings aus Diktaturen.

Wie kann so etwas in Europa und den USA passieren? Was sagt das über den Zustand unserer Länder und unserer politischen Kultur? Das ist erschreckend!

Mit diesen Methoden wird die lange vor sich her getragene moralische Überlegenheit der westlichen Demokratien endgültig zur Farce. Die letzte Glaubwürdigkeit ist zu Grabe getragen.

Es geht um Macht.

Ein Mittel, diese Macht zu erlangen, liegt in der massenhaften Sammlung von Informationen. Informationen, mit deren Hilfe Druck ausgeübt werden kann. Druck auf politischer, wirtschaftlicher und immer mehr auch persönlicher Ebene.

Damit schließt sich der Kreis wieder.

 

Old School – Taschenrechner

Nach langer Zeit habe ich mir wieder einen Taschenrechner gekauft. So einen richtigen. Seit Jahren benutze ich entweder eine Softwareversion auf dem Mac bzw. iPhone, oder gleich ein Spreadsheet. Damit kam ich auch sehr gut klar. In den letzten Wochen hatte ich allerdings einen deutlich erhöhten Bedarf. Dabei zeigte sich schnell, dass Software-Rechner unbequem werden. Spreadsheets sind für schnelle Berechnungen sowieso nicht ideal, eher für umfangreichere.

Also entschied ich mich dafür, mir wieder einen dedizierten Taschenrechner zu zulegen. Früher benutzte ich bevorzugt HP-Rechner; der HP41CV war die Krönung 🙂 Leider gibt es dieses schöne Gerät nicht mehr. Also habe ich mich nach aktuellen Geräten umgesehen.  Am Rande: es gibt schöne Simulationen des HP 41CV für den Mac (siehe Bild 1).

Eine meiner Vorgaben war die Eingabe nach RPN – Reverse Polish Notation, oder umgekehrte polnische Notation.

Bei der Polnischen Notation wird zuerst der Operator eingegeben, dann die Operanden, also wird z.B. 4 + 5 zu  + 4 5. Diesen Ansatz kann man unter anderem bei den Programmiersprachen Lisp und Postscript finden. RPN dreht dies dann um und erwartet deshalb: 4 5 +.

Das erscheint erst einmal ungewohnt und komisch. Der Nutzen zeigt sich zum Beispiel bei der Eingabe verschachtelter Ausdrücke.

(2 + 3) * (4 + 5) wird so eingegeben: 2 Enter 3 + 4 Enter 5 + *.

Aber gut: RPN mag man einfach – oder man mag es eben nicht 🙂

Zurück zur Suche nach einem neuen Taschenrechner.

Die Forderung, RPN zu unterstützen, schränkte die Auswahl natürlich erheblich ein. Es würde also wieder ein Gerät von HP werden.

In die nähere Wahl fielen dann HP 50g sowie HP 35s. Beides sind wissenschaftliche Rechner. Der 50g hat ein graphisches Display und kann auch Funktionen visualisieren. Das brauche ich allerdings nicht. Deshalb entschied ich mich für den HP 35s (siehe Bild 2).

Der erste Eindruck beim Auspacken war etwas durchwachsen. Nicht wegen des Geräts, sondern weil die beiden beiliegenden ‚Handhefte‘ in französischer und niederländischer Sprache gehalten waren – beide sind nicht meine Stärken. Da war ich natürlich selbst schuld, hätte bei der Bestellung aufpassen sollen. Aber kein Problem, da die Handbücher auch auf der beiliegenden CD in PDF-Format zu finden sind.

Batterien einsetzen und einschalten schaffte ich auch noch ohne Handbuch 😉

Das Gerät macht einen guten Eindruck. Es steht stabil auf dem Tisch, ohne zu wackeln. In der Hand lässt er sich leicht mit dem Daumen bedienen.

Das Display ist groß und zweizeilig. Allerdings entspricht es nicht wirklich dem State of the Art. Der Kontrast ist einstellbar, aber nicht besonders gut. Hier hat HP eindeutig an der falschen Stelle gespart. Irritierend ist auch die Position des Minuszeichens bei negativen Werten (siehe Bild 3).

Aber das war es dann auch schon mit meckern. Die Tasten haben einen klaren Druckpunkt und sind gut lesbar beschriftet. Trotz der vierfach belegten Tasten findet man sich schnell und gut zurecht. Die ganze Funktionsvielfalt erschließt sich allerdings erst durch eine ganze Reihe Menüs – immerhin 16 Stück. Darauf will ich aber im Einzelnen hier nicht eingehen.

Von Interesse ist sicher noch die Programmierbarkeit des Rechners. Damit wird er noch einmal deutlich mächtiger. Das ist allerdings ein eigenes Kapitel.

Viel wichtiger als der technische ‚Kram‘ ist der praktische Nutzen. In dieser Hinsicht haben sich meine Erwartungen vollauf erfüllt. Der Rechner ist schnell arbeitsbereit und lässt sich benutzen, ohne von der eigentlichen Arbeit abzulenken.

Manchmal ist ein spezialisiertes Gerät eben doch noch mehr als nur eine Überlegung wert.

Und zum guten Schluss:  der HP 35s lässt sich auch von RPN auf die manchem gewohntere algebraische Notation umschalten 😉

Bild 1 - HP41CV Simulator

Bild 1 – Screenshot HP41CV Simulator

Bild 2 - HP 35s © Stefan Braun

Bild 2 – HP 35s
© Stefan Braun

Bild 3 - Display mit negativer Zahl im x Register © Stefan Braun

Bild 3 – Display mit negativer Zahl im x Register
© Stefan Braun

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