Old School – Taschenrechner

Nach langer Zeit habe ich mir wieder einen Taschenrechner gekauft. So einen richtigen. Seit Jahren benutze ich entweder eine Softwareversion auf dem Mac bzw. iPhone, oder gleich ein Spreadsheet. Damit kam ich auch sehr gut klar. In den letzten Wochen hatte ich allerdings einen deutlich erhöhten Bedarf. Dabei zeigte sich schnell, dass Software-Rechner unbequem werden. Spreadsheets sind für schnelle Berechnungen sowieso nicht ideal, eher für umfangreichere.

Also entschied ich mich dafür, mir wieder einen dedizierten Taschenrechner zu zulegen. Früher benutzte ich bevorzugt HP-Rechner; der HP41CV war die Krönung :-) Leider gibt es dieses schöne Gerät nicht mehr. Also habe ich mich nach aktuellen Geräten umgesehen.  Am Rande: es gibt schöne Simulationen des HP 41CV für den Mac (siehe Bild 1).

Eine meiner Vorgaben war die Eingabe nach RPN – Reverse Polish Notation, oder umgekehrte polnische Notation.

Bei der Polnischen Notation wird zuerst der Operator eingegeben, dann die Operanden, also wird z.B. 4 + 5 zu  + 4 5. Diesen Ansatz kann man unter anderem bei den Programmiersprachen Lisp und Postscript finden. RPN dreht dies dann um und erwartet deshalb: 4 5 +.

Das erscheint erst einmal ungewohnt und komisch. Der Nutzen zeigt sich zum Beispiel bei der Eingabe verschachtelter Ausdrücke.

(2 + 3) * (4 + 5) wird so eingegeben: 2 Enter 3 + 4 Enter 5 + *.

Aber gut: RPN mag man einfach – oder man mag es eben nicht🙂

Zurück zur Suche nach einem neuen Taschenrechner.

Die Forderung, RPN zu unterstützen, schränkte die Auswahl natürlich erheblich ein. Es würde also wieder ein Gerät von HP werden.

In die nähere Wahl fielen dann HP 50g sowie HP 35s. Beides sind wissenschaftliche Rechner. Der 50g hat ein graphisches Display und kann auch Funktionen visualisieren. Das brauche ich allerdings nicht. Deshalb entschied ich mich für den HP 35s (siehe Bild 2).

Der erste Eindruck beim Auspacken war etwas durchwachsen. Nicht wegen des Geräts, sondern weil die beiden beiliegenden ‚Handhefte‘ in französischer und niederländischer Sprache gehalten waren – beide sind nicht meine Stärken. Da war ich natürlich selbst schuld, hätte bei der Bestellung aufpassen sollen. Aber kein Problem, da die Handbücher auch auf der beiliegenden CD in PDF-Format zu finden sind.

Batterien einsetzen und einschalten schaffte ich auch noch ohne Handbuch😉

Das Gerät macht einen guten Eindruck. Es steht stabil auf dem Tisch, ohne zu wackeln. In der Hand lässt er sich leicht mit dem Daumen bedienen.

Das Display ist groß und zweizeilig. Allerdings entspricht es nicht wirklich dem State of the Art. Der Kontrast ist einstellbar, aber nicht besonders gut. Hier hat HP eindeutig an der falschen Stelle gespart. Irritierend ist auch die Position des Minuszeichens bei negativen Werten (siehe Bild 3).

Aber das war es dann auch schon mit meckern. Die Tasten haben einen klaren Druckpunkt und sind gut lesbar beschriftet. Trotz der vierfach belegten Tasten findet man sich schnell und gut zurecht. Die ganze Funktionsvielfalt erschließt sich allerdings erst durch eine ganze Reihe Menüs – immerhin 16 Stück. Darauf will ich aber im Einzelnen hier nicht eingehen.

Von Interesse ist sicher noch die Programmierbarkeit des Rechners. Damit wird er noch einmal deutlich mächtiger. Das ist allerdings ein eigenes Kapitel.

Viel wichtiger als der technische ‚Kram‘ ist der praktische Nutzen. In dieser Hinsicht haben sich meine Erwartungen vollauf erfüllt. Der Rechner ist schnell arbeitsbereit und lässt sich benutzen, ohne von der eigentlichen Arbeit abzulenken.

Manchmal ist ein spezialisiertes Gerät eben doch noch mehr als nur eine Überlegung wert.

Und zum guten Schluss:  der HP 35s lässt sich auch von RPN auf die manchem gewohntere algebraische Notation umschalten😉

Bild 1 - HP41CV Simulator

Bild 1 – Screenshot HP41CV Simulator

Bild 2 - HP 35s © Stefan Braun

Bild 2 – HP 35s
© Stefan Braun

Bild 3 - Display mit negativer Zahl im x Register © Stefan Braun

Bild 3 – Display mit negativer Zahl im x Register
© Stefan Braun

2 Responses to Old School – Taschenrechner

  1. Wolfgang sagt:

    Ach jaaaaa…der gute alte Taschenrechner! ich habe auch schon lange mehr keinen in der Hand gehabt. In einer Lade müsste sich noch mein alter Schulrechner, ein TI – Irgendwas befinden, in dem noch die Zwischenziffern von meiner Matura(=Abitur) gespeichert sein müssten. Erinnerungen werden wach….vor 25 Jahren gekauft und verlässlicher Begleiter bei allen Schularbeiten (mit unterschiedlichem Erfolg)😉

    Liebe Grüsse,
    Wolfgang

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