Suchfunktionen und Collections in Scrivener

In diesem Artikel will ich zwei Features von Scrivener vorstellen: Collections und die Suchfunktionen.
Collections – also Sammlungen – bieten interessante Möglichkeiten wenn es darum geht, Texte nach verschiedenen Gesichtspunkten zu betrachten. Beim Schreiben eines Romans kann es zum Beispiel nützlich sein, alle Szenen die aus Sicht einer Person geschrieben sind, am Stück zu lesen. Dadurch lassen sich Unstimmigkeiten leichter feststellen als im Gesamtgefüge.
In größeren Werken gezielt etwas zu finden ist, immer eine Herausforderung. Deshalb verdienen die Suchmöglichkeiten natürlich auch eine gewisse Aufmerksamkeit. Da die Suche in Scrivener eng mit Collections verknüpft ist, bietet sich eine gemeinsame Betrachtung an.

Collections

Collections sind einfach eine Sammlung von Dokumenten; genauer von Referenzen auf Dokumente. Damit stellen sie immer einen Ausschnitt aus dem Binder dar, der alle Dokumente des Projekts enthält. Dokumente sind hier die Texte an denen wir arbeiten, aber auch Material aus dem Research-Ordner, z.B. PDFs, Bilder, oder Videos.

Aktiviert werden Collections durch klicken auf das Icon Collections in der Werkzeugleiste. Sie sind dann hinter dem Binder als Tabs zu sehen. Über diesen Tabs erscheint jetzt auch eine Titelzeile Collections, auf der rechten Seite ergänzt um ein + und ein – Icon. Mit dem + Icon können wir nun eine neue Collection erzeugen, mit dem – Icon eine bestehende Collection entfernen. Der Titel lässt sich frei festlegen.

Haben wir beim Klick auf das + Icon Dokumente im Binder markiert, werden diese in die neue Collection aufgenommen. Im Binder können wir nun weitere Dokumente markieren und mit der Maus auf das Tab unserer Collection ziehen. Verharren wir dabei mit gedrückter Maustaste etwas über dem Tab, öffnet sich die Collection und wir können die Dokumente platzieren. Lassen wir die Maustaste über dem Tab gleich los, werden die Dokumente an das Ende der Collection gehängt; die Collection wird in diesem Fall nicht geöffnet..

Auch über das Kontextmenü eines Dokuments können wir es einer Collection hinzufügen (Add to Collection und Auswahl der gewünschten Sammlung).

Innerhalb einer Collection lassen sich die Dokumente beliebig verschieben; dies hat keine Auswirkung auf ihre Position im Binder.

Das folgende Bild zeigt ein Beispiel für eine Collection.

Eine Collection

Collections können in den gewohnten Ansichten betrachtet werden. Dazu die Kopfzeile der Collection anklicken und die Ansicht wählen, z.B. Pinnwand.

Suche

Für die Suche in unserem Projekt gibt es die Projekt-Suche, die Synopsis-Suche, die Format-Suche und natürlich die bekannte Dokumentsuche (⌘-F). Jede dieser Suchfunktionen hat ihre Besonderheiten. Zusammen stellen sie eine sehr mächtige Möglichkeit bereit, Informationen im Projekt zu finden.

Dokumenten-Suche

Bei der Dokumenten-Suche handelt es sich um die aus anderen Mac-Produkten bekannte Suchen und Ersetzen-Funktion. Diese arbeitet innerhalb eines Textes. Aufgerufen wird sie mit ⌘-F, ⌘-G liefert den nächsten Treffer, ⇧⌘-G den vorherigen.
Scrivener unterscheidet sich hier nicht von anderen Anwendungen.

Projekt-Suche

Die Projekt-Suche dient dazu Dokumente innerhalb des Projekts zu finden, die den Suchkriterien entsprechen. Ergebnis ist hier eine Liste von Dokumenten. Um innerhalb dieser Dokumente die relevanten Stellen zu finden, kann wieder auf die Dokumenten-Suche zurückgegriffen werden. Arbeitet man mit feingranularen Textstücken, liefert die Suche sehr präzise Ergebnisse.

Zu finden ist das Eingabefenster für die Projektsuche in der Werkzeugleiste. Sollte es wegkonfiguriert sein, kann die Funktion auch via ⌃⌥-F aufgerufen werden.

Das Eingabefenster besteht aus zwei Teilen: links ist ein Lupen-Icon, mit dem die Suche genauer beschrieben werden kann, rechts davon ein normales Eingabefenster für den zu suchenden Text (siehe Bild).

Dialog für die Projektsuche

Klickt man nun auf die Lupe, erscheint eine Liste, mit der sich die Suche gezielt steuern lässt (siehe Bild).

Konfigurationsmöglichkeiten für eine Projektsuche

Im obersten Block – Search in – lässt sich vorgeben, wo man suchen will, also zum Beispiel im Text selbst, oder aber in den Metadaten. Her können auch mehrere Punkte ausgewählt werden ( ⌘-Klick).
Mit dem Operator im zweiten Block kann genauer spezifiziert werden, wie genau der Suchbegriff getroffen werden soll; ist eine exakte Übereinstimmung gefordert, oder reicht es, wenn einer der Begriffe gefunden wird?
Der dritte Block Options dient dazu den Bereich einzuschränken, in dem gesucht werden soll. Außerdem lässt sich noch entscheiden, ob Groß-/Kleinschreibung zu berücksichtigen ist.

Diese Einstellungen erlauben eine recht genaue Steuerung einer Suche. Dies geht weit über die Suchmöglichkeiten der ‘normalen’ Suchfunktion hinaus.

Geben wir jetzt einen Suchtext in das Fenster ein, wird links auf dem Bildschirm der Binder durch eine Collection namens Search Results ersetzt. In dieser Collection finden wir alle Dokumente, die dem Suchkriterium genügen.

Interessant ist noch der letzte Eintrag in der Liste: Save Search…. Damit lässt sich unsere Suche als Collection speichern. Gespeicherte Suchen werden immer wieder neu ausgeführt, wenn die Collection geöffnet wird. Sie sind dadurch also immer aktuell, auch wenn sich das Dokument seither geändert haben sollte.

In Zusammenhang mit Projekt-Suche ist interessant, dass es auch ein Projekt-Ersetzen gibt. Damit lassen sich im gesamten Projekt Ersetzungen vornehmen. Aufgerufen wird es über Edit -> Find -> Project Replace. Der folgende Dialog öffnet sich und erlaubt die Steuerung der Funktion.

Dialog für projektweites Ersetzen

Synopsis-Suche

Diese Suche bezieht sich ausschließlich auf die Synopsis eines Textes inklusive dessen Titel. Sie erlaubt das schnelle Editieren der Synopsis der gefundenen Dokumente, ohne dabei das Dokument im Editor oder die Position im Binder zu verlieren. Aufgerufen word die Funktion mit Edit -> Find -> Find Synopsis, bzw. mit ⌃⌘-G. Damit öffnet sich ein Dialog (siehe Bild).

Dialog für die Synopsis-Suche

Im Eingabefeld wird der gesuchte Text eingeben – im Beispiel Scrivener. Die Suchergebnisse werden in einer Liste dargestellt, in der geblättert werden kann. Unterhalb der Liste wird schließlich die Synopsis des gerade ausgewählten Texts angezeigt und kann auch direkt editiert werden.

Format-Suche

Mit den bisher beschriebenen Suchen lassen sich Texte überall im Projekt suchen und finden. Was aber, wenn wir nach Markierungen oder Formatierungen suchen wollen? Da lassen uns die meisten Anwendungen im Stich. Scrivener hat allerdings auch dafür eine Suchmöglichkeit vorgesehen: die Format-Suche.

Mit Edit -> Find -> Find By Formatting bzw. ⌃⌥⌘-F öffnet sich der Suchdialog (siehe Bild).

Dialog für Format-Suche

Kriterien für die Format-Suche

Diese Funktion bietet eine ganze Reihe von Suchkriterien, die sich alle auf Textauszeichnungen beziehen. Alle markierten Texte zu finden ist damit überhaupt kein Problem.
Die Suche lässt sich noch auf Zeichenfolgen einschränken; so können wir zum Beispiel alle fett gedruckten Texte suchen, oder aber nur solche, die den Text enthalten, den wir in Containing textvorgegeben haben.

Fazit

Die Suchfunktionen bieten eine Menge Möglichkeiten, die weit über die einfache Textsuche hinausgehen. Am
besten probiert man die verschiedenen Varianten einfach aus. Dieser Artikel kann und will lediglich die interessantesten Punkte anreißen, um sie ins Bewusstsein zu holen. Weiß man erst einmal, welche Möglichkeiten es gibt, kann man sich näher damit auseinandersetzen, wenn man konkreten Bedarf dafür hat. Das gut geschriebene Handbuch bietet dann auch noch weitergehende Informationen. Dies gilt natürlich auch für Collections.

Wie wir gesehen haben, sind Collections und Projekt-Suche eng miteinander verknüpft und entfalten ihr Potential erst gemeinsam.

Unser eingangs erwähntes Beispiel lässt sich jetzt sehr einfach umsetzen. Um alle Szenen, die aus Sicht einer Person geschrieben sind, lesen und bearbeiten zu können, definieren wir eine entsprechende Suche und speichern diese in einer Collection ab.

Haben wir jede Szene mit einem Tag für die beteiligten Personen (z.B. Hamlet) versehen, können wir folgende Suche schreiben:
Search In: Keywords
Operator: Exact Phrase
Suchfeld: Hamlet

Ergebnis ist eine Liste aller Szenen, in denen unsere Person vorkommt. Nach Ausführung der Suche können wir Save Search… auswählen und der Suche einen Namen geben. Jetzt wird bei jedem Öffnen dieser Such-Collection die Suche neu ausgeführt und die Ergebnismenge ist somit immer auf dem aktuellen Stand.

One Response to Suchfunktionen und Collections in Scrivener

  1. Pingback: Scrivener: Synchronisation mit externen Werkzeugen « Denkenswert

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