Scrivener Metadaten – 1

Das Schreiben umfangreicher Texte zieht sich naturgemäß über einen längeren Zeitraum hin. Das können Tage, Wochen, Monate oder sogar Jahre sein. Deshalb ist es besonders wichtig, den Überblick über das Geschriebene zu behalten. Um dies zu erleichtern, werden Metadaten benutzt.

Im einem anderen Artikel  erläuterte ich bereits, dass es eine der wesentlichen Eigenschaften Scriveners ist, große Texte in kleinen, leicht handhabbaren Teilen – Scrivenings genannt – zu schreiben. Dabei kann eine nicht unerhebliche Zahl solcher Textstücke entstehen. Diese können leicht im Gesamttext verschoben werden, machen also Änderungen der Struktur sehr einfach.

Darüber hinaus bietet diese feingranulare Struktur auch die Möglichkeit, den Text aus verschiedenen Blickwinkeln zu sehen. So ist es hilfreich alle Szenen zu finden, die aus Sicht eines bestimmten Charakters geschrieben sind, oder die an einem bestimmten Ort handeln. Die dafür benötigte Information wird mittels Metadaten an die Textstücke angehängt.

Was sind Metadaten?

Metadaten sind Informationen, die an die eigentlichen Texte angehängt werden. Ein einfaches Beispiel ist ein Datum, das beim drucken eines Textes mit ausgegeben wird; es ermöglicht später die zeitliche Zuordnung des Ausdrucks. Weitere typische Metadaten sind der Name des Autors, eine Versionsnummer, oder auch eine Zusammenfassung des Textes.

Scrivener bietet eine ganze Reihe von Metadaten an, die an jedes Scrivening – ein Stück Text in Scrivener – gehängt werden können. Diese Metadaten gliedern sich in folgende Bereiche:

  • Synopsis / Zusammenfassung
  • Allgemeine Metadaten
  • Notizen
  • Referenzen
  • Schlüsselwörter
  • Selbstdefinierte Metadaten
  • Schnappschüsse
  • Anmerkungen und Fußnoten

Auf einige dieser Metadaten will ich im Folgenden etwas näher eingehen. Der Rest folgt im zweiten Teil dieses Artikels.

Synopsis / Zusammenfassung

Bild 1 – Synopsis

Jedes Textsegment in Scrivener hat eine Karteikarte zugeordnet. Diese Karteikarte ist dafür gedacht einen Überblick über den Text zu geben. Sie ist – wie auch die anderen Metadaten – im Inspector zu finden.

In den meisten Fällen wird man diese Karteikarte wohl nutzen, um sich vor dem Schreiben Gedanken zu machen, was in welchem Textstück entstehen soll. Scrivener erlaubt es allerdings auch, aus einen fertigen Text diese Synopsis zu erzeugen. Dazu klickt man einfach auf das Icon ganz rechts (siehe Bild 1). Hat man vorher ein Stück Text markiert, wird dieser als Synopsis benutzt; ansonsten wird einfach der Anfang des Textes verwendet.
Außerdem kann statt der Karteikarte mit der Zusammenfassung auch ein Bild angezeigt werden; dieses wird einfach auf die Karte gezogen. Vorher muss allerdings mittels ⌘ 7 oder des Icons mit den beiden kleinen Pfeilen diese Darstellung gewählt werden.

Bild 2 – Karteikarte mit Bild

Die Karteikarte ist auch in der Pinnwand-Ansicht zu sehen. Dort können die Karteikarten ebenfalls bearbeitet werden. Verschiebt man eine Karte, wird auch der zugehörige Text im Binder verschoben. Damit lässt sich leicht und übersichtlich die Textstruktur verändern.

Bild 3 – Pinnwand-Ansicht

Allgemeine Metadaten

Bei den allgemeinen Metadaten finden sich unter anderem das Erzeugungs-Datum des Textes und der Zeitpunkt der letzten Änderung. Darüber hinaus gibt es ein paar Schalter, die für das Compilieren des Textes benutzt werden. Unter Compilieren versteht Scrivener die Erzeugung eines Dokuments aus all den Textstücken. Das ist aber ein eigenes Kapitel für sich.

Bild 4 – Allgemeine Metadaten

Das Interessanteste sind allerdings die beiden Auswahllisten Label und Status. Die folgenden Bilder 5 und 6 zeigen die Listen für das hier benutzte Template. Die Listen und ihre Bezeichnung lassen sich für jedes Projekt oder auch für ein Template komplett selbst definieren. Dazu ist der Punkt Edit… auszuwählen. Dieser öffnet einen Dialog zur Anpassung der Metadaten (siehe Bild 7).

Bild 5 – Label

Bild 6 – Status

Bild 7 – Dialog zum anpassen der Labels

Nutzung von Label und Status

Hat man seinen Texten Labels und Status zugewiesen, können diese in einer Suche benutzt werden. Will man zum Beispiel alle Texte sehen, die im Status To Do sind, gibt man “To Do” (ohne Anführungszeichen) in das Suchfeld ein und wählt dort mittels des Lupen-Icons links im Suchfeld Search In Status aus. Die beiden Bilder veranschaulichen dies.

Bild 8 – Suchfeld

Bild 9 – Ausgefülltes Suchfeld

Die Suchergebnisse tauchen auf der linken Seite als sogenannte Collection (Sammlung) auf und ersetzen dort den Binder.
Bild 10 zeigt die Ergebnisliste alle Texte, deren Status auf To Do steht. Die gelisteten Texte lassen sich direkt öffnen und bearbeiten.

Bild 10 – Ergebnis der Suche

Abgesehen von den Suchmöglichkeiten können Labels auch als farbliche Markierung genutzt werden. Dies ist in der Pinnwand-Ansicht, im Binder und im Outliner möglich. Bild 11 zeigt als Beispiel die blaue Markierung der Sub-Sections im Outliner.

Bild 11 – Outliner -Ansicht

Notizen

Beim Schreiben oder auch beim Durchlesen fallen immer wieder Dinge auf, die ergänzt, geändert, überdacht, oder hinterfragt werden sollen. Scrivener erlaubt es, solche Notizen direkt an den entsprechenden Text anzuhängen. Dazu gibt es im Inspector ein eigenes Tab namens Document Notes.

Bild 12 – Tableiste mit selektiertem Tab für Notizen

Handelt es sich um Notizen, die sich nicht direkt auf den aktuellen Text beziehen, sondern für das Projekt relevant sind, können diese in den Project Notes festgehalten werden. Mittels ⌘–6 kann zwischen Dokument- und Projekt-Notizen hin- und hergeschaltet werden.
Diese Notizen können einfache Texte sein, aber auch ganze Dokumente und Bilder können hier abgelegt werden.

Referenzen

Oftmals ist es hilfreich, Referenzen zu anderen Dokumenten für einen Text griffbereit zu haben. Scrivener hat zu diesem Zweck eine Rubrik References im Inspector.

Bild 13 – Tableiste mit selektiertem Tab für Referenzen

Referenzen können sich auf andere Texte oder Dokumente innerhalb des Projekts beziehen. Diese können einfach mit der Maus in das Referenzfenster des aktuellen Textes gezogen werden. Per Doppelklick oder Kontextmenü können die Dokumente im Editor geöffnet werden. Im Falle eines Doppelklicks wird ein zweiter Editor geöffnet (split view). Dieser kann dann mit ⌘-’ wieder geschlossen werden.

Auch externe Dokumente können referenziert werden. Dazu zieht man eine URL von Safari, oder eine Datei vom Finder in das Referenzfenster. Externe Dokumente werden in ihrer Standardanwendung geöffnet, ein PDF etwa in der Vorschau.

Bild 14 – Referenzliste im Inspector

Neben Referenzen für einzelne Texte lassen sich auch Projektreferenzen anlegen. Durch Klick auf die Kopfzeile (mit dem Text Document References) lässt sich die entsprechende Ansicht Für die Projektreferenzen einstellen. ⌘–6 schaltet zwischen beiden Ansichten hin und her.

Bild 15 – Projektreferenzen im Inspector

Für beide Ansichten können Referenzen auch durch klicken auf das + hinzugefügt, bzw. durch klicken auf das entfernt werden.

Schlüsselwörter

Jedem Text in Scrivener können Tags zugewiesen werden. Tags sind frei definierbare Schlüsselwörter. Die Tags eines Textes werden ebenfalls im Inspector verwaltet. Ein Klick auf das Icon mit dem Schlüssel öffnet die entsprechende Sicht.

Bild 16 – Tableiste mit selektiertem Tab für Schlüsselwörter

Die einfachste Methode ein Tag zuzuweisen ist ein Klick auf das + Icon. Ein Eingabefeld öffnet sich und man kann das gewünschte Tag eintippen. Ein Klick auf das Icon entfernt das Tag wieder.

Bild 17 – Kopfleiste für Schlüsselwörter

Da Tags erst richtig sinnvoll sind, wenn sie konsistent im ganzen Projekt benutzt werden, empfiehlt es sich, sie systematisch zu definieren. Am einfachsten geht das im Keywords Dialog.

Bild 18 – Dialog für die Pflege von Schlüsselwörtern

Mit den Schaltflächen am unteren Rand lassen sich Tags hinzufügen und löschen. Die zweite Schaltfläche erlaubt auch das Anlegen verschachtelter Tags; so können wir ein Tag Produkte anlegen und darunter Scrivener und Ulysses.

Sind nun Tags für das Projekt definiert, können sie Texten zugeordnet werden. So könnten wir jedem Text, der Scrivener betrifft, das entsprechende Tag zuweisen. Dies kann durch ziehen des Tags aus dem Dialog auf den Inspector geschehen. Wird dabei gedrückt, wird auch die Gruppe mit übernommen. In unserem Fall hätten wir also die Tags Produkte und Scrivener zugewiesen.

Ist der Keywords Dialog nicht geöffnet, können Tags auch aus dem Inspector zugewiesen werden; dazu ist das Icon mit dem Zahnrad anzuklicken und das passende Tag auszuwählen.

Wenn dann Tags zugewiesen sind, können leicht alle Dokumente mit einem bestimmten Tag gefunden werden. Dies kann mittels des Suchfensters in der Werkzeugleiste gemacht werden (Lupe anklicken und Keywords wählen), oder über den Keywords Dialog: Tag wählen und die Schaltfläche Search anklicken. Hält man die Taste ⌥ gedrückt, ändert sich der Text der Schaltfläche zu Search All; damit wird dann nicht nur in den Schlüsselwörtern gesucht, sondern überall im Text, inklusive Notizen. Ergebnis der Suche ist wieder eine Collection, die an Stelle des Binder angezeigt wird und alle betroffenen Texte auflistet.

In unserem Beispiel könnten wir so alle Textstücke suchen, die mit Scrivener zu tun haben. Im Falle eines Romans würde es sich vielleicht anbieten die Texte mit den beteiligten Personen zu taggen, um so schnell alle Szenen für eine Person finden zu können.

Die restlichen …

Metadaten werden im zweiten Teil dieses Artikels vorgestellt werden.

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