Scrivener – umfangreiche Texte schreiben

Wer umfangreichere Texte schreibt, hat wahrscheinlich festgestellt, dass ein großer Teil der Zeit in die Überarbeitung des Textes fließt. Der Kerngedanke soll besser herausgearbeitet, eine Argumentation stringenter, eine Geschichte stimmiger werden. Dazu wird die Struktur des Dokuments verbessert, der Text gestrafft, Erläuterungen und Seitenlinien ergänzt oder gestrichen, Formulierungen verfeinert und vieles mehr.
Macht man diese Änderungen alle in einem einzigen großen Dokument, das den ganzen Text enthält, tut man sich mit Verschiebungen und Umstellungen schwer.

Schon beim Schreiben stellt man fest, dass dies kein linearer Vorgang vom Anfang zum Ende ist; oft schreibt man einzelne Blöcke – Absätze oder Kapitel, von denen nicht klar ist, wo genau sie später auftauchen sollen.
Typische Textverarbeitungen sind dafür nicht besonders geeignet, weil sie wenig Unterstützung für diese Arbeiten bieten. Deshalb haben sich Anwendungen etablieren können, die speziell für Autoren entwickelt wurden. Eine der verbreitetsten ist Scrivener.

Scrivener unterstützt die Arbeit beginnend bei der Recherche, über das Schreiben und Redigieren, bis zur Ausgabe des Dokuments.
Im Kern stellt das Programm eine Struktur zur Verfügung, die es erlaubt nicht nur den Text, sondern auch nahezu beliebige andere Dokumente in einem Projekt zu sammeln und zu bearbeiten. Diese Struktur ist sehr flexibel und leicht an eigene Bedürfnisse anpassbar.
Besonders interessant ist der Umgang mit dem Text selbst: Text lässt sich in beliebig kleinen Stückchen schreiben und kombinieren. Solch ein Stück kann ein einzelner Absatz sein, ein Kapitel, oder auch ein ganzes Buch – was immer der Autor für sinnvoll hält. Diese Textsegmente lassen sich auch im Nachhinein noch aufteilen oder zusammenfügen. In Scrivener werden diese Textstücke scrivenings[1] genannt.

An jedes Objekt in Scrivener können Metadaten gehängt werden. Metadaten sind zum Beispiel Notizen, Verweise auf andere Dokumente, oder die geplante und tatsächliche Anzahl Worte im Text.

Ein weiteres wesentliches Merkmal von Scrivener sind die verschiedenen Ansichten: es gibt eine Pinnwand, auf der die Textstücke als Karteikarten auftauchen und beliebig verschoben werden können. Damit lassen sich strukturelle Änderungen elegant und einfach vornehmen. Eine weitere Ansicht zeigt die Texte sequentiell an; so lässt sich der Text leicht lesen, der Kontext eines Textschnipsels ist klar und dies hilft ebenfalls beim Verschieben und Umordnen. Die dritte Ansicht schließlich zeigt ebenfalls die Textstücke in einer Auflistung, allerdings nicht den Text, sondern die Titel und Metadaten.

Outliner-Ansicht

Pinnwand-Ansicht

Natürlich hat Scrivener einen Editor für die Bearbeitung der Texte. Dieser lässt sich auch in einem angenehmen Vollbild-Modus nutzen.

Ist der Text schließlich geschrieben und überarbeitet, bietet Scrivener eine ganze Reihe an Export-Möglichkeiten. Das Export-Modul lässt sich sehr weitgehend konfigurieren. Es sind bereits eine Reihe von Standardkonfigurationen verfügbar, die den Export z.B. nach Word, Final Draft, PDF, oder auch epub mit wenigen Mausklicks ermöglichen.

Die Video-Tutorials können sicher einen besseren Eindruck von Scrivener geben als eine textliche Beschreibung. Deshalb halte ich mich auch mit Screenshots etwas zurück.

Scrivener ist ein Werkzeug für Autoren; kleine Texte wie diesen damit zu schreiben ist nicht wirklich sinnvoll. Seine Stärken kommem bei der Arbeit an Büchern oder umfangreicheren Artikeln und wissenschaftlichen Arbeiten zum Tragen.

Weitere sehr hilfreiche Funktionen umfassen die Sicherung des Projekts, das Erzeugen von sogenannten Snapshots – also das Sichern der gegenwärtigen Textversion, sowie Unterstützung von Metadaten und der Synchronisation mit anderen Werkzeugen. Diese – mehr fortgeschrittenen – Funktionen werde ich in weiteren Artikeln beleuchten.


  1. Scrivener bedeutet professioneller Schreiber, scrivening ist ein Schriftstück als Ergebnis seiner Arbeit.  ↩

11 Responses to Scrivener – umfangreiche Texte schreiben

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