Perspektiven

Ich stehe im achtundzwanzigsten Stockwerk am Fenster und schaue über die Stadt. Die Strukturen sind schön zu erkennen – Häuserblocks, Straßen, Grünflächen. Autos sind klein wie Spielzeuge; Menschen wuseln herum, haben keine Gesichter, sind anonym. Es ist eine sehr distanzierte Sicht; ich stehe außerhalb, nehme nicht teil am Leben unter mir.

Sitze ich dagegen in einem Straßencafé oder gehe ich durch die Straßen, bin ich mitten im Leben; Menschen haben Gesichter, sind Persönlichkeiten, unverwechselbar. Vielleicht sehe ich so die gleichen Szenen, aber aus gänzlich unterschiedlichen Perspektiven.

Beide Perspektiven haben ihren Reiz und ihren Sinn. Sie bieten völlig unterschiedliche Eindrücke und Einblicke. Stecke ich zu sehr im Detail, verliere ich die Übersicht; bin ich zu weit weg, verliere ich den Bezug.

Die Ausgewogenheit zwischen diesen Blickwinkeln ist wichtig. Wir alle brauchen immer mal wieder einen Perspektivwechsel. Besonders wenn es schlecht läuft, wenn wir das Gefühl haben festzustecken, zu ersticken, heißzulaufen, ist es wichtig, ein paar Schritte zurück zu gehen und wieder etwas Abstand zu bekommen. Dadurch werden einige Probleme plötzlich ganz klein und lösen sich fast von alleine, andere nehmen zumindest konkrete Formen an und können dadurch zielgerichtet angegangen werden.

Fühlen wir uns dagegen von unserer Umwelt isoliert, fehlt uns der Bezug, müssen wir uns wieder tiefer ins Leben begeben, näher heran gehen, mitleben.

Wie so Vieles im Leben ist dies leicht, aber nicht einfach. Die größte Schwierigkeit liegt bereits im Erkennen der Notwendigkeit eines Perspektivwechsels. Dies gelingt nur durch Reflektion – Achtsamkeit. Oft genug bedarf es erst eines Anstoßes von aussen, von Freunden oder Kollegen. Schon deshalb ist es auch wichtig, in Bezug auf die Menschen um uns herum achtsam zu sein, ihnen bei Bedarf diesen Anstoß zur Reflektion zu geben. Denn was für uns gilt, trifft ebenso auf alle anderen zu – selbst erkennen wir oft erst spät, dass wir etwas ändern müssen. Eben das macht eine Kultur der Achtsamkeit so wichtig. Solch eine Kultur in unserem Umfeld zu schaffen, liegt an uns!

One Response to Perspektiven

  1. Wolfgang sagt:

    Hallo Stefan,

    mein Kompliment für diesen sehr guten Artikel! Achtsamkeit ist eine Tugend, die in unserer Zeit – und da nehme ich mich auch nicht aus – manchmal ein bisschen untergeht. Vieles geht so schnell, passiert gleichzeitig, ständig will jemand etwas von uns – hier innezuhalten und sprichwörtlich die Antennen auszufahren scheint schwer zu fallen. Gerade deswegen aber ist es so wichtig.

    Liebe Grüsse,
    Wolfgang

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