Ein Jahr Denkenswert!

Heute vor einem Jahr veröffentlichte ich den ersten Artikel in diesem Blog. Darin fasste ich zusammen, warum ich das Blog gestartet habe. Heute will ich für einen kurzen Rückblick innehalten, eine Bestandsaufnahme machen und einen Blick nach vorne wagen.

Der Blick zurück

Schaue ich heute zurück, kann ich erkennen, wie sich mein persönliches System herausgebildet hat. Im August hatte ich bereits einen Artikel dazu geschrieben: Ziel erreicht – und weiter gehts. Der Titel passt. Es gibt bei diesem Thema kein endgültiges Ziel. Die Welt verändert sich, man lernt dazu und so entwickeln sich neue Ideen und Möglichkeiten; jede Veränderung birgt Chancen in sich.

So bin ich zur Zeit mit meinem Task- und Dokumentenmanagementsystem weitgehend zufrieden. Für beides hat sich eine Routine herausgebildet, die gut funktioniert. Natürlich gibt es immer wieder Dinge, die verbessert werden können, oder kleinere neue Fragestellungen. Aber die Werkzeuge sind da und funktionieren reibungslos. Das war mein Ziel vor einem Jahr.

Aktuelle Entwicklungen

Ein recht aktuelles Beispiel für Veränderungen ist die Hinwendung zu Vereinfachung, die auf vielen Ebenen feststellbar ist.

Der Wunsch nach Einfachheit ist eine Reaktion auf die Entwicklung der letzten paar Jahrzehnte. In dieser Zeit gab es einen Trend hin zu immer mehr Leistung; alles musste schneller und billiger werden, und dabei noch seinen Leistungsumfang erweitern. Dies galt für Produkte, Dienstleistungen, aber vor allem auch für uns Menschen.

Leistung ist grundsätzlich etwas sehr positives. Jeder hat wohl schon dieses Glücksgefühl gespürt, wenn er nach längerer Anstrengung etwas erreicht hat.

Problematisch wurde es, als der Fokus immer mehr Richtung Effizienz wanderte. Es ging nur noch darum, mit möglichst wenigen Mitteln das unbedingt Notwendige zu erreichen. Die Qualität bleibt bei so einem Ansatz ganz schnell auf der Strecke. Qualität ist es aber, aus der Stolz über das Erreichte erwächst. Qualität ist eine Grundlage für Zufriedenheit. Es macht wesentlich glücklicher ein gutes Produkt herzustellen, als hundert mittelmäßige oder schlechte.

Grundlage dieser Fehlentwicklung ist eine andere Entwicklung, die schleichend vor sich ging. An den entscheidenden Stellen in den Betrieben, aber auch in der Gesellschaft sitzen immer öfter Leute, die keinen Bezug zum eigentlichen Geschäft mehr haben – professionelle Manager. Heute werden solche Positionen fast nur noch mit Wirtschaftlern und Juristen besetzt. Diese haben aber zwangsläufig eine völlig andere Sicht als die Menschen, die in den Betrieben arbeiten. Oft verstehen sie vom eigentlichen Geschäft überhaupt nichts mehr. Ihre Ziele sind letztlich vom ursprünglichen Sinn des Betriebs  völlig entkoppelt. Es geht nur noch um ‚Wirtschaftlichkeit‘; meist kurzfristige finanzielle Ziele, oft wohl auch persönliche (Stichwort Aktienoptionen, Boni).

Aber genug davon. Entscheidend ist, dass gegenwärtig eine Trendwende zu beobachten und zu erleben ist.

Was bedeutet nun diese Trendwende für das Thema persönliche Produktivität?

Wenn wir Glück und Zufriedenheit als grundlegende Bedürfnisse eines Menschen ansehen, ergibt sich der Ansatzpunkt aus dem oben geschriebenen recht einfach. Ein wesentlicher Aspekt für Zufriedenheit ist der Stolz auf das Produkt unserer Arbeit. Gehen wir weiter davon aus, dass das Gefühl von Fremdsteuerung uns unglücklich macht, ist der andere Pfeiler auch schnell zu sehen; wir brauchen das Gefühl, unser Leben selbst in der Hand zu haben.

Beides sind keine neuen Erkenntnisse. Neu ist nur, dass diese Erkenntnisse sehr vielen wieder bewusst werden! Das Unbehagen findet damit einen Ausdruck. Und viele Menschen erkennen, dass sie mit diesem Unbehagen nicht alleine sind.

Ein wesentlicher Aspekt ist die Hinwendung zu Effektivität. Es ist entscheidend die wichtigen Dinge zu tun. Und diese wichtigen Dinge sollten richtig gemacht werden. Effizienz sollte natürlich nicht vernachlässigt werden, darf aber nicht alleine bestimmend sein! Ausgewogenheit ist auf Dauer immer wichtig.

Effizienz lässt sich aber eben auch dadurch erreichen, dass man das Richtige tut; nicht möglichst viel, sondern das, worauf es ankommt.

Was ist denn nun „das Richtige“?

Diese Frage muss jeder für sich selbst beantworten. Stephen Covey hat sich dazu Gedanken gemacht und den Prozess in seinem Buch Die 7 Wege zur Effektivität gut aufbereitet.

Im Kern geht es darum, für sich Klarheit über die persönlichen Werte und Lebensziele zu schaffen. Wie so oft nichts Neues. Und dennoch wichtig, weil dieses langfristige, grundlegende Denken im Alltag oft untergeht. Coveys Buch ist eine empfehlenswerte Lektüre, wenn man diese Aufgabe systematisch in Angriff nehmen will. Ich würde das englische Original empfehlen. Die Übersetzung ist teilweise für mein Gefühl nicht so gut gelungen. Das beste Beispiel ist schon der Titel. Im Original heißt das Buch „The 7 habits of highly effective people“, es geht also um Gewohnheiten.

Klar ist aber, dass Methoden und Werkzeuge für die persönliche Produktivität weiterhin wichtig sein werden. Es geht nur darum, diese nicht als Selbstzweck zu betrachten, sondern eben als Hilfsmittel. Sie sollen helfen, den Blick auf das Wesentliche zu schärfen und zu erhalten.

Was mich zur Zeit beschäftigt

In letzter Zeit beschäftige ich mich mehr mit dem Schreiben. Folgerichtig bin ich daran interessiert, was es hierfür an Werkzeugen gibt und wie ich mich selbst weiterentwickeln kann.

Ein wesentlicher Trend ist Distraction-Free Writing – schreiben, ohne von seinem Werkzeug dabei gestört zu werden. Auch das ist ein Antitrend – die Textverarbeitungsprogramme wurden immer leistungsfähiger und umfangreicher, damit aber auch schwergewichtiger und überfrachtet. Inzwischen halten sie wirklich mehr vom (kreativen) Schreiben ab, als dabei zu unterstützen. Der Bildschirm ist mit mehrzeiligen Werkzeugleisten und Inspektoren überladen; für den Text wird der Platz immer enger.

Die neu entstandenen Schreibwerkzeuge setzen dagegen auf maximale Fokusierung auf den Text. Die Funktionalität ist ebenfalls auf das Notwendige begrenzt. Sie arbeiten im Fullscreen-Modus und blenden während des Schreibens alle störenden Elemente aus.  Menüs werden lediglich bei Bedarf eingeblendet. Dadurch kann man sich beim Schreiben ganz auf seinen Text konzentrieren.

Soll der Text formatiert werden, kann dies anschließend in einer Textverarbeitung oder einer DTP-Anwendung geschehen. Damit erreicht man eine Trennung von Inhalt und Layout.

Diesen Text schreibe ich in Safari mit dem WordPress Distraction-Free Writing Modus.

Neben dem Schreiben beschäftige ich mich natürlich auch weiterhin mit der Optimierung meiner Arbeitsabläufe. Und ich interessiere mich dafür, was es an Neuerungen gibt, ob es Werkzeuge sind, methodische Ansätze, oder generellere Trends.

Jetzt freue ich mich allerdings erst einmal über den ersten Geburtstag von Denkenswert!

2 Responses to Ein Jahr Denkenswert!

  1. Wolfgang sagt:

    Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag!!!

    Liebe Grüsse,
    Wolfgang

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